Kolumbine auf Umwegen

„Wo ist denn mein brauner Schal? Oh Gott, und meine Brosche! Ich kann nicht gehen ohne meine Brosche! Mamiiii!“

Im vorher angetrunkenem Koffeinwahn wirbel ich durch mein Zimmer, stopfe hier und da noch ein paar Utensilien in meinen ohnehin schon überschwappenden Koffer und rufe meine halbe Familie zusammen, um das sture Ding zum schließen zu zwingen. (An dieser Stelle eine kleine Gedenksekunde, er weilt heute nicht mehr unter uns..)

Am Bahnhof.
„Binti, hast du alles? Wo ist deine Verpflegung?“ Mein Vater dreht sich panisch zu meiner Mutter um. „Ich WUSSTE wir vergessen was! Ich hol‘ sie schnell!“ Lächelnd hält meine Mutter den roten Rucksack hoch. „Du schiebst schon mehr Panik, als dein Töchterchen.“ Beruhigt drückt mein Vater mir den Rucksack in den Arm. „Hier, für die Fahrt.“ Er riecht nach Falafel und Zwiebeln. Das klassische Pausenbrot eines arabischen Vaters. Ich muss lachen. „Danke, Baba.“ – Ich hatte mir schon Sorgen gemacht den Menschen heute keine Möglichkeit für Klischeesprüche bieten zu können. Mehr

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Geh doch…!

Ja, aber..

Sieh es doch mal so…

Okay, aber ich sehe das ganz anders..

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Fettes Sorry..

Ich muss mich echt entschuldigen, dass mein Blog so vernachlässigt wird. In meinem kleinen aber feinen Leben passiert zurzeit einfach ZU VIEL, als dass ich darüber schreiben könnte. Wenn ich denn überhaupt mal dazu komme mich sprachlich auszulassen, dann landet es auf folgendem Blog:

www.cube-mag.de

Ich hoffe irgendwann mal wieder über das Leben des Hidjabis berichten zu können, aber, mal unter uns: Sooo toll ist das hier ja auch nicht. Da empfehle ich doch eher die Cube Mags 😉

Bis der Lehrlauf vorbei ist, sag ich TSCHÜSS und SALAM. Man sieht sich beim nächsten Dönerladen!…

Oh, du fröhliche… Teil I

Es ist endlich soweit!

Endlich winke ich meinem kleinen Kuhkaff vom Bummelbus aus und begebe mich für einen „Kurz-Wohn-Trip“ in die Stadt. What a feeling!

„Sag doch lieber am Telefon, dass du Kopftuch trägst und ob es ein Problem für die wäre.“ – Diesen Satz habe ich gefühlte 100 Mal über mich ergehen lassen, bevor ich zum Telefon griff, um in der Filiale anzurufen, von der ich wusste, dass sie für Ende des Jahres Aushilfen suchen. Weihnachtsaushilfen.

„Aber du bist doch gar kein Christ!“ – Ja, das ist wahr. Bist du denn einer?

„Nein, ich bin Atheist!“ – Achso, aber du feierst Weihnachten?

„Ja, aber das ist nur weil das so´ne schöne Zeit ist mit Geschenken und so.“

Dass ich diesen Job haben wollte hatte mehrere Gründe. Zum einen die Tatsache, dass mir und meinen (ich nenne sie mal) „Artgenossen“ permanent vorgeworfen wird, wir würden uns gesellschaftlich nicht genug einbringen, oder (Wort des Jahres) „integrieren wollen“. Und zum anderen aus der ganz einfachen Tatsache heraus, dass ich das Geld für meinen Umzug brauche, den NEIN ich möchte nicht vom Staat schmarotzern, wie man es ebenfalls von „Ausländern“ erwartet. Wer mit gesundem Selbstwertgefühl würde dergleichen schon tun?

Wie gewohnt ist es für die Dame am Telefon gar kein Problem. „Sicher, kommen Sie gleich am Donnerstag vorbei zu einem Vorstellungsgespräch.“- Akzentfrei sprechen hat durchaus seine Vorteile. Auf meine religiöse Einstellung könnte man bereits nach meinem Nachnamen kommen. Das Kopftuch behalte ich noch als kleinen Bonus für mich.

Die Filiale ist in einer anderen Stadt, die mit Bus oder Zug leicht zu erreichen ist. Sie zu erreichen ist eine Sache, sich darin zurechtzufinden eine völlig andere. Nach 3 Mal verlaufen und 10 Mal Passanten Nach Dem Weg Fragen, erreiche ich endlich leicht gehetzt die Filiale. Eine Viertelstunde zu früh. Ein Mitarbeiter kommt lächelnd auf mich zu.

„Hallo, kann ich Ihnen weiterhelfen?“

„Hallo, ja sehr gern. Ich hatte mit Ihrer Kollegin gesprochen bezüglich des Aushilfsjobs. Können Sie mir sagen, wo ich mich zu melden habe?“

„… als Weihnachtsaushilfe!?“

„Genau.“ – Hätte ich mir lieber einen rot-weißen Mantel anziehen sollen?

„Äh ja klar, folgen Sie mir.“

Er blieb wirklich gefasst, der Gute.

Vor mir lief noch ein Vorstellungsgespräch, sodass ich genug Zeit habe mich umzusehen. Als Bücherwurm eine Leichtigkeit. Hin und wieder spüre ich stechende Blicke im Rücken. Es hat sich wohl herumgesprochen.

Als ich das Büro der Filialleiterin betrete, sehe ich in ihrem Gesicht nicht anderes, als pures Interesse. Ich bin begeistert, wie schafft sie das nur mich nicht wie einen Alien zu behandeln und mir langsam und deutlich zu verstehen zu geben, dass ich nicht in ihr Konzept passe?

Das Gespräch läuft überraschend locker. Das könnte einerseits an meiner „Was-habe-ich-schon-zu-verlieren-Einstellung“ liegen, die Anspannung gar nicht erst zulässt, oder an der Tatsache, dass diese Frau den Mensch hinter dem beigen Tuch sehen möchte. Faszinierend.

„Ich denke ich spreche auch im Namen des Betriebsrates, wenn ich sage: Sie sind eingestellt.“ – Ich kann mir ein völlig unseriöses „Was, echt!?“ nicht verkneifen. Wie konnte denn sowas passieren?

Im Laufe der Zeit entwickelt man als Muslim in Deutschland schnell eine Art „Gesellschafts-Pessimismus“, der sowohl aus eigenen, als auch aus den Erfahrungen anderer hervorgeht. Man rechnet einfach damit, dass alle gleich denken. Unwissentlich nimmt man damit genau dieselbe Einstellung ein, die einem selbst eigentlich so zuwider ist. Vorurteile eben. Auch auf „unserer“ Seite gibt es genug davon.

Leicht verwirrt stehe ich wieder vor dem Eingang des Gebäudes.

Weihnachtsaushilfe.

Was da wohl auf mich zukommt…

Schicksal

Eigentlich sieht sich jeder von uns hin und wieder mit Situationen konfrontiert, die jedes bisschen Aufmerksamkeit, jedes Stück Konzentration in uns abverlangen.

Es gibt Situationen in unserem Leben, die wir so nie haben kommen sehen, weil unser Wunschdenken vom Leben es nicht zugelassen hätte. Das muss nicht heißen, dass man als hoffnungsloser Optimist durch die Welt geht. Mehr

Engstirnigkeit

Eben durfte ich über meine Facebookfreunde wieder eine interessante Entdeckung machen, die mich doch wirklich aus meiner Schreibträgheit geworfen hat (danke!).


Vor gut einer Woche besuchte ich in Wuppertal, während des Zahnräder-Treffs, ein sogenanntes „Bloggertreffen“. Im Grunde durch Zufall. Und eigentlich auch nur, weil mich Kübra mit ihren mysteriösen Worten dorthin gelockt hatte. „Sei um 22:30 am Haupteingang.“, flüsterte sie. „Was machen wir denn um 22:30?“ Sie: „Cool sein“- Ich weiß ja nicht, wie´s mit euch steht, aber ich für meinen Teil konnte gar nicht anders, als zu erfahren, wie diese Coolnees denn in die Tat umgesetzt werden sollte. Es lebe die Neugier! Mehr

Wie man zum Zahnrädchen wird

Seit Februar hat mein kleiner Krümmelblog kein Futter bekommen. Dafür will ich mich jetzt auch in aller Förmlichkeit entschuldigen. Auch bei alle den Menschen, die bei jedem Klick auf diesen Blog immer wieder mit dem selben letzten Post konfrontiert werden (nervt mich eigentlich selbst dauernd).

Aber hey, es gibt Grund zur Freude! Dieses Wochenende gab es einen wahren Motivationsboom (okay, das letzte Wort ist mal wieder Grund den Verfassungsschutz zu grüßen?) unter meinem Tuch (darf man das eigentlich im selben Satz benutzen?)!  – SCHNIIIITTT! okay, von vorn:

Lieber Blog, dieses Wochenende war ich in Wuppertal auf einem ganz wundervollen Seminar, das mir half auch den letzten Rest an Unmut für unser Projekt über Bord zu werfen! (besser?) Mehr

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