Studi-VZ oder: Wie man Freunde für´s Leben findet

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by Hidjabi

Irgendetwas haben diese ganzen Communities wohl an sich. Ich glaube ich kann sogar mit Fug und Recht behaupten, dass es unter uns kaum einen gibt, der sich nicht schon in diversen Foren angemeldet hat. Schon bei der Anmeldung lässt sich schnell die Spreu vom Weizen trennen, denn es gilt seine Anonymität zu wahren (soll ja nicht gleich jeder wissen, dass man Premiummitglied bei knuddels.de ist).

Eine harte Nuss. Und wie heißt es so schön? „Nur die harten komm in Garten.“ Kreativität ist gefragt!

 

Nicknames wie „bussi123“, „sugar_baby“, oder „Tiger,Tiger“ sind z.B. das Resultat kreativer, und jetzt kommt´s, männlichen Köpfe. Diese besagten Köpfe scheuen auch keine Müh mit ihrer charmanten Schreibweise die, offensichtlich leicht zu beindruckenden, Frauenherzen (höher?) schlagen zu lassen.  Auch ich habe diese wichtige Erkenntnis machen dürfen. Im Portal „StudiVZ“ wurde ich  schon einige Male zur Beute einiger, sich mit ihrer Nokiahandykamera vor ihren Badezimmerspiegeln fotografierender, Herzensbrecher.

Tiefsinnige Begrüßungen, wie „Salamu alaikum, na, alles klar Schwesterchen ;-)“  – erwarteten mich von Zeit zu Zeit in meinem Posteingang.

 Unter diesen Machos gibt es natürlich noch wahre Gentlemen, die ihr Anliegen auf die höflichste Weise vortragen: salam yasmina, ich bin said und möchte dich kennenlernen. Danke! – Bitte, Bitte.

Vor einiger Zeit durfte ich eine Bekanntschaft machen, die die übrigen Charmebolzen, wie blutige Anfänger aussehen ließ.

 Der 16.Dezember um 12:38Uhr. Mal wieder von einem Anflug der Langeweile gepackt, logge ich mich bei StudiVZ ein, als mir auch schon der liebe StudiVZ-Postmann entgegen lächelt. Post. Ui, wer mag das wohl sein?

 salamoulaikoum  – Wie? Das war´s? Hmm, mit einem murmelnden „wa aleikum salam“ schließe ich das Fenster wieder. Vermutlich hat da einer den Unterschied zwischen Private Message und Chatroom nicht erreicht. Mit einem Klick, bin ich ausgeloggt.

 17.Dezember um 15:20 Uhr

slamoulaikoum .machalh du siehst mit hijab sehr schön. Ja, jetzt müsste man meinen, dass ich mich geschmeichelt gefühlt habe. Immerhin wurde mir gerade gesagt, dass ich sehr schön. Dummerweise schmückte mein Profil zu dieser Zeit ein Makrobild von meinem Auge. (Kleine Anmerkung zu meiner Person: Ich halte wenig von „Me, Myself & I – Alben) Ich wusste jetzt nicht, ob ich mir Sorgen um die Form meiner Augen machen sollte – vielleicht ist es ja derart entstellt, dass man darin eine kopftuchtragende Person erkennt, die auch noch schön!-, oder ob ich mir lieber Sorgen um die Augen des mir gegenüber machen sollte.  

Ich verzichtete darauf dem lieben Abdelouahd (so war sein Name) eine Anatomiepredigt zu halten. Er schien mir nicht so die spontane Sorte Mensch zu sein, wenn er zusätzliche 24 Stunden gebraucht hatte, um der Begrüßung 7 weitere Worte anzuhängen.

 Aber nein, noch in derselben Minute erhielt eine weitere Nachricht.

woher kommst du .wenn ich fragen darf?? – Eine dieser typischen Fragen, die eigentlich nicht mehr vermitteln sollen, als „Hey, ich will ein Gespräch anfangen.“  Blöd nur, dass mein Profil ihm diese Frage bereits vorweggenommen hat -sowohl Nationalität, als auch Wohnort. Das bot jetzt natürlich nicht mehr ganz so viel Spielraum. Ich hoffte also für den guten Abdelouahd, dass er eines Tages auf die Idee kommen würde einmal mein Profil einmal über meinen Vornamen hinaus zu lesen, um diese Erkenntnis selbst zu machen. Klick. Logout.

 18. Dezember um 19:45 Uhr – Sie haben Post.

yasmia .darf ich fragen .wie lat bist du }? – Lieber Abdelouhd, trotz langer Selbstanalyse blieb mir leider bis heute verwehrt zu wissen, wie lat ich wirklich bin. Um meiner Frustration über die Unkenntnis meiner „Latheit“ etwas Luft zu verschaffen, konzentrierte ich mich auf den Rest der Nachricht. Yasmia, entweder war mein Schreiber etwas unter Zeitdruck (gibt es auch Rausschmeißer in Internetcafés?), oder mir wurde gerade ein Kosename verpasst. Liegt natürlich nahe, immerhin durfte ich schon 3 vielsagende Nachrichten von meinem (un)heimlichen Verehrer empfangen. Dass ich bis heute nicht auf eine geantwortet habe, ist für diese innige Beziehung natürlich völlig nebensächlich…

 4 Tage sollten vergehen, bis Abdelouhd den nächsten Schritt wagte.

 22.Dezember um 16:45 Uhr

salamoulaikoum.darf ich dein e mail haben .wenn das möglich ist ?? ddank – Jetzt wurde es also ernst zwischen uns. Zu meiner Schande zu muss ich gestehen, dass ich dieser taffen Anfrage nicht nachgab. Ja, es ist wahr, ich war nicht Mädchen genug, um mich auf dieses Angebot einzulassen. Zum einen befürchtete ich, dass ich bei näherem Kontakt eventuell mit weiterem Vokabular konfrontiert werden konnte, das ich frustrierenderweise nicht beherrschte (Ich hätte mich in dieser Beziehung sicher nur minderwertig gefühlt.),  zum anderen… hallo? Glaubt man(n) denn wirklich, dass wir Frauen dermaßen leicht rumzukriegen sind? Leider hat mich auch Abdelouhds Stottern, am Ende der Nachricht, nicht dazu bewegen können ihm zu antworten. Klick. Fenster zu.

 2 weitere Tage später (scheint wohl mit System zu sein) kam eine PM, die mich doch ein bisschen zweifeln ließ…

 24. Dezember um 20:42 Uhr

salam .yasmina ich hab von dir so lang nx gehört – Halt, Moment! Es dürfte eigentlich nicht heißen „ich habe von dir so lang nx gehört“, als mehr „ich habe noch NIE etwas von dir gehört.“ Es sei denn ich hatte einen unbewussten Drang dazu ihm zu antworten. Unbewusst? Vielleicht bin ich ja ein Schlafschreiber? Ein schneller Blick in meinen Postausgang bestätigte mir, dass ich diesem Menschen nie einen Buchstaben hab zu kommen lassen. Ich war beim Lesen dieser Nachricht drauf und dran ihm zu schreiben, dass ich ihm nie geschrieben habe, aber… na ja, ihr erkennt sicher selbst die Ironie. Ich hielt mich also ein weiteres Mal zurück und ließ den armen Abdelouhd im Ungewissen zurück.

 Meine Abfuhr (ohne Worte), schien seine Wirkung zu haben. Es dauerte ganze 20 Tage, bis ich eine weitere Nachricht erhielt. Ein Ausbruch der Emotionen, quasi.  

 13.Januar um 00:01 Uhr

salam und einen guten Rutsch zum neuen arabischen ( higri) Jahr mit alle erfühlten Wünsche,
nun will ich kurz eine Frage stellen, was soll man denn machen, wenn er dich kennenlernen will ? Übrigens, derjenige hat deine Web-Seite mehr als 35 Mal besucht.
Wäre nett von dir,wenn du diese E-mail als freundliche E-Mail nimmt und nicht gleich löschen, denn ich dafür mehr als dreivierttel Stunde zur Erfassung gebraucht habe.
danke
PS : Derjenige Bin ich, Falls es dir enteressieren würde

 Trotz der Tatsache, dass ich Abdelouhd natürlich auch alles erfühlte wünschte, legte ich den Kopf doch ein wenig schräg, als mir gestanden wurde, wie oft mein Profil angeklickt wurde. Wenn dem nämlich so gewesen wäre, dann hätte „er“ schon beim ersten „salamoulaikoum wissen müssen, wie ich heiße, in welchem Teil Deutschlands ich wohne, was meine Nationalität ist und vor allem, dass ich auf PM-Anmachen absolut keinen Wert lege. Ich war natürlich überaus erstaunt, als sich dieser „er“ plötzlich als mein fester Freund Abdelouhd entpuppte. Das änderte natürlich alles. Ich schrieb ihm endlich zurück.

„Wa aleikum salam Bruder, ich weiß es sehr zu schätzen, dass du dir so viel Mühe gibst, aber ich würde den Kontakt (der nie bestanden hat – aber ich wollte sein Weltbild nicht zerstören) jetzt gern beenden. Wassalamu aleikum.“

  Ich prüfte meine Nachricht mehrere Male auf Verständlichkeit und schickte sie ab. Eine Woche – Keine Antwort. Zwei Wochen – Keine Antwort. Nach der dritten Woche war ich mir dann endlich sicher, dass er die Nachricht gelesen, verstanden und beherzigt hatte. Alhamdulillah.

 Diese Anekdote mag zwar in viel Witz verpackt sein, ich hoffe aber, dass ihr den Ernst dahinter erkennt. Was den Schreiber angeht, so hatte ich in dieser Erzählung weder vor ihn vorzuführen, noch mich über seine Sprachkenntnisse lustig zu machen. Es ging mir darum einmal aufzuführen, wie lächerlich diese Online-Anmachen sind, mit denen vor allem muslimische Mädchen täglich konfrontiert werden. Jeder, der meint auf diese flapsige, unislamische Weise den Partner fürs Leben zu finden, muss ich enttäuschen.

Und was die Mädchen angeht: Mal abgesehen von der schlechten Art und Weise, mit der ihr angesprochen werdet, werden euch solche Nachrichten geschickt, dann scheint ihr dem Schreiber nicht viel mehr Mühe wert zu sein, als ein bisschen Rumgeklimper auf der Tastatur. Ihr seid aber um einiges mehr Wert. Fallt also nicht auf den erstbesten Spinner ein, der euch erzählt, wie hübsch ihr mit Kopftuch ausseht.

 Vor ein paar Monaten habe ich übrigens folgendes in meinem Posteingang gefunden:

 24.Mai um 02:08 Uhr

Von: Abdelouhd : salamou3laikoum    – …

 

Wa aleikum salam wa rahmatullah wa barakatuh!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. ferramis
    Okt 11, 2009 @ 13:08:25

    Salamu alaikum 😉

    Antwort

    • justanotherhidjabi
      Okt 16, 2009 @ 08:38:39

      Wa aleikum salam 😀
      Das war jetzt sicher keine Anspielung, neeeeeeeeeein ^^

      (sry für die späte Antwort, musste erst noch bei Studi reinschauen ;-P)

      Antwort

  2. Ukhti
    Feb 02, 2012 @ 13:57:11

    hahaha sehr sehr gut … ich musste leicht lachen als ich das mit dem spitznamen und dem stottern las ^^
    allahumma barik für dein schreibtalent ukhti

    Antwort

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