Ein stilles Heldentum

Ein Held. Sein Heldentum. Der Kampf von Gut gegen Böse.

by Hidjabi

Ein wirklich aufregendes Thema! Helden. Wer oder was sind sie? Wie kann man sie ausfindig machen? Und vor allem, was motiviert sie so heldenhaft zu handeln?

Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, sind wir doch reichlich voreingenommen was Helden angeht, oder? Spiderman, Batman, Superman, alles fiktive Ideale, die unser Bild vom Helden ein wenig verschroben haben. Tagsüber der unscheinbare Büroarbeiter (wieso es sich immer um Beamte handeln muss, versteh ich bis heute nicht…), der sich bei Nacht in sein (doch reichlich enges) Kostüm zwängt und die Straßen von gesellschaftlichen Unrat säubert. Klingt plausibel, aber doch ein wenig unrealistisch bei meiner Suche nach meinem Helden.

Dann ist da unser geliebter Prophet, Friede und Segen sei mit ihm und seiner Familie. Ein so großes Vorbild und Held für uns alle. Seine Prophetengefährten, die auf dem Wege Allahs mit Dingen geprüft waren, deren Ausmaß wir uns heute kaum vorstellen können. Alles Helden, keine Frage! Alles Vorbilder ,denen es nachzueifern gilt.

Aber, gibt es eigentlich noch Helden in dieser, unserer Zeit?Ja, die gibt es. Und ich habe meinen Helden gefunden.

Für gewöhnlich ist ein Held groß und stark. Er sollte Superkräfte besitzen,  fliegen können, superstark sein oder wenigstens seine eigene Titelmusik haben! All das hat mein Held nicht.

 Der Held, von dem ich dir erzählen möchte ist eine Heldin. Klein und zerbrechlich macht sie nicht gerade den Eindruck eines gefährlichen Gegners. Bewaffnet mit Palituch und Tasbih trifft man diese Superheldin vermutlich nur tagsüber an. Meine Heldin. Und jedem der denkt er hätte einen Superhelden in Rente vor sich, täuscht sich gewaltig!  Ihr Heldentum begann nämlich erst mit dem Alter…

1991 reiste eine Gruppe von Touristen durch Israel, um Land und Leute kennenzulernen. Unter ihnen auch die bereits 60 jährige Irmgard. Eine Frau, die schon viel von der Welt und ihrer Politik gesehen hatte. Eine Frau, die (so sie:) „nichts so schnell aus der Bahn werfen konnte.“ Offensichtlich schon, denn in einem Gespräch erzählte sie mir einmal von dem Moment, als sie die Flüchtlingslager der Palästinenser dort zu sehen bekam:

Mensch, als ich diese Flüchtlingslager sah! Und ich dachte mir, was ist denn das, was die Leute so ruhig hielt.“ Sie erzählte mir von dieser, für sie unbegreiflichen, Ruhe, die diese gequälten Menschen ausstrahlen. „Und das, nachdem sie aus ihren Häusern geschmissen wurden! Und das einzige, was die immer gesagt haben, war dieses „Hamdulillah, Hamdulillah““

Als Irmgard ihren Flug zurück nach Bremen nahm, suchte sie fieberhaft nach irgendeiner Möglichkeit diese „sonderbaren Menschen“ verstehen und auf ihre Art und Weise unterstützen zu können. Sie erzählte mir von einem, dafür sehr prägenden, Ereignis:

„Also das war ja völlig verrückt. Während unserer Reiseführung haben wir auch eine Moschee besichtigt. Das war ganz seltsam, als ich dort drin stand, in dieser einfachen Moschee, keine Möbel, nur dieser Teppich und die betenden Leute, da war mir auf einmal so friedlich. Ganz friedlich war mir da. Ich wollte am liebsten den ganzen Tag dort bleiben! Nur diese Reiseführerin war ja total erpicht darauf mich da rauszuhaben. Ich kann ja verstehen, dass sie ihren Zeitplan hatte, aber hör mal, die hat mich da mit Gewalt raus schleppen lassen!“ Dieser Moment des Friedens blieb ihr im Herzen und so konvertierte Irmgard noch im selben Jahr und wurde zu Umm Sabah, der Mutter der Geduldigen. Ein ziemlicher Hohn, wie sie mir erzählt hat, so einen ungeduldigen Menschen wie sie so einen Namen zu verpassen. Aber sie trägt ihn bis heute in Ehren, masha allah. Möge sie dafür belohnt werden! Eine wirkliche Bereicherung für unsere Umma, keine Frage!

 Du magst dich jetzt sicher fragen: „Ja, und wo ist denn nun ihr Heldentum?“

Ich verrate es dir. Komm mit mir. In einer kleinen Bremer Moschee wirst du sie finden. Jeden Freitag wird diese kleine Frau dort stehen mit einer Dose, fest in ihren kleinen Händen. Sie wird nach jedem Gebet losstürmen und keinen aus der Moschee hinaus lassen, der nicht wenigstens ein paar Groschen in die Dose gesteckt hat. Was ist das für eine Dose, fragst du dich? Diese Dose ist Umm Sabahs kleiner Beitrag zu ihrem einst gegebenen Versprechen. Die ihr versprochene Hilfe, die sie für den Rest ihres Lebens leisten will.

Komm weiter mit mir. Komm mit mir in ihre kleine Einzimmerwohnung und schau. Schau, wie diese kleine Frau Nacht für Nacht im Gebet kniet, bis ihr Arme und Beine taub sind.  Wie sie ihre Nächte damit verbringt Gebete für andere zu sprechen, bis ihre Stimmt versagt. Wie sie Gott Nacht für Nacht anfleht das Leben anderer zu bessern und sich selbst dabei vergisst.

Wie diese Frau sich Tag für Tag Vorwürfe macht, dass sie nicht mehr tun kann. Dass sie keine anderen Mittel mehr hat zu helfen. Wie ihre Mitmenschen darauf achten müssen, dass sie selbst genug isst und nicht ihre ganze kleine Rente mit dem nächsten Überweisungsschein für Hilfsgüter entbehrt.

Uneigennützigkeit, Aufopferung, Nächstenliebe. Diese Frau ist meine Heldin. Mein Vorbild.

Eine so kleine und zerbrechlich wirkende Frau und doch eine so große Verfechterin der Gerechtigkeit. Mit Leib und Seele kämpft sie. Mit allem was sie ist und was sie hat kämpft sie. Wir sollten uns alle ein Beispiel an ihrem Mut nehmen!

Und lass dir über meine Heldin eines gesagt sein. Sie mag heute zwar 78 Jahre alt sein, doch du wirst sie auf jeder Demonstration antreffen, bei der es gilt für die Würde des Menschen einzustehen. Du wirst sie zwar nicht immer sehen, aber glaube mir du wirst sie hören. 🙂

 Meine liebste Umm Sabah, möge Allah t. dich für deine Mühe belohnen, für jede vergossene Träne, für jede Entbehrung auf deinem Weg Allahs Wohlgefallen zu erlangen, für jede schlaflose Nacht in der du von Kummer und Zweifeln geplagt warst, für jede Enttäuschung die du erfahren musstest, für jeden deiner Versuche die Welt etwas besser zu machen!

Meine liebste Umm Sabah, mögest du Hand in Hand mit den Menschen, für die du nächtelang betest, in die Paradiesgärten eintreten. Amin!

Ich danke Gott  wirklich dafür, dass ich diese Frau kennenlernen durfte!Ich liebe dich für Allah meine Umm Sabah!

Danke für´s teilen 🙂

Wa salam!

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3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. sevda
    Jul 19, 2009 @ 18:42:15

    Möge Allah sie für Ihre Dienste und Liebe reichlich belohnen… Danke, dass du sie uns vorgestellt hast….

    Antwort

  2. kübra
    Jul 19, 2009 @ 23:44:57

    Salam liebe Schwester, die Zusammfassung ist online:
    http://ein-fremdwoerterbuch.blogspot.com/2009/07/karneval-die-zusammenfassung.html
    Dein Beitrag hat mir total gut gefallen! 🙂

    Antwort

  3. schwizermuslima
    Feb 05, 2010 @ 13:11:47

    Amin inchallah!

    Möge es weitere solche Frauen und Männer geben, die für den Islam aufstehen, amin.

    Antwort

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