Impressionen einer Schulcafeteria oder: Wie Freistunden zur Qual werden können

by Hidjabi

Von harten Fliesen umgeben. In kaltes Metall gebettet. Vom grellen Gelb erstickt.

Ein typischer Ort.

Schulcafeterias, wie sie im Buche stehen.

Von allen Seiten grinsen einem Plastikblumen entgegen und der Raum ist erfüllt von sich gegenseitig übertönendem Geschnatter und unnatürlich hohem Gelächter.


Ich lasse meinen Blick schweifen.
Da sind die betont Coolen,
die den Raum auf die lässigste Art und Weise zu betreten wissen. Schlendernd, bewusst langsam – die Leute sollen ja möglichst lange etwas von diesem Anblick haben. Damit ihr Kommen rechtzeitig angekündigt wird – und weil die Fanfarenbläser von Zeit zu Zeit auch mal frei zu haben scheinen – ertönen, erst gedämpft, dann immer klarer, aufgeregte Urwaldlaute. Natürlich nicht, um seinen Bildungsstand preiszugeben. Man will sich sicher einfach nur so individuell wie möglich von der Masse abheben. Begleitet sind diese Phänomene der menschlichen Spezies von bunt bemalten, glänzend gekleideten und penetrant lauten, wie riechenden, Anhängseln. Schaut man an ihnen herab wird klar: Es muss sich um das weibliche Gegenstück zu besagten Gestalten handeln, denn bekanntlich sind nur Frauen masochistisch genug sich auf 20cm hohen Foltermaschinen fortzubewegen. Ein interessantes Rudel, das vor allem im Frühling zu meiden ist. Laut ja, aber ungefährlich.

Sobald sich mein Auge von der Reflektion der wandelnden Diskokugeln erholt hat, schaue ich weiter.

Eine Gruppe bebrillter (ja, ich weiß, ein Vorurteil. In meinem Fall aber durchaus zutreffend!) Schüler beugt sich, wie eingefroren, über dicke Bücher. Schulbücher? Ich ziehe die Augenbrauen hoch. Wirklich lobenswert sich in seinen Pausen zusammenzutun, um gemeinsam etwas für seine Bildung zu tun. Ein leises Gemurmel: „Ha! Du hast das Duell verloren! Gib mir deine beste Karte!“ – Jetzt erkenne ich auch die kurzen, gezielten Handbewegungen unter dem Meer von Köpfen. Bemerkenswert. Die perfekte Tarnung! Ob der Lehrer an dem Tisch hinter der Schummelgruppe wohl immer noch so wohlwollend gucken würde, wenn er den Grund für diese Zusammenkunft wüsste? Oder ist er womöglich selbst ein begeisterter YuGiOh-Anhänger? Aber hey, jetzt sind mir diese Typen wenigstens wieder sympathisch. In seiner Pause lernen, also wirklich..

Es folgt meine Lieblingssorte Mensch: Der Schwätzer.

Sie finden sich in vielen Formen und Farben, sind aber häufig an der zwar schlichten Kleidung, dafür aber umso penetranterem Mundwerk zu erkennen. Egal wo man ist, egal welche Cafeteria man sich für eventuelle Pausen aussucht. Egal mit wie viel guten Willen man an die Auswahl seines Ruheplatzes zu wählen versucht. Sie sind überall. Sie lauernd auf unsere Ohren und zwingen dich sich ihr Gebrabbel anzuhören. Man ist machtlos. Es gibt kein Entkommen. Es sein denn, man ist taub. Und selbst dann, und da bin ich mir sicher, werden sie einen Weg finden dir auf deinen, ohnehin schon ruhebedürftigen, Nervensträngen rum zu kauen, nur um sie bei ihrem Gehen wie ein altes Kaugummi zurück in deinen Kopf zu spucken.

Die Schwätzer. Eine eigenartige Sorte Mensch. Eine Zeit lang habe ich geglaubt sie wären nur ein unangenehmer Beigeschmack, wenn man sich dazu entschließt unter Menschen zu gehen. Aber nein, sie sind eine wahre Plage geworden. Nicht einmal in sogenannten Bildungseinrichtungen ist man vor ihnen sicher. Der Fachbegriff „BildungANSTALT“ wird mir durch sie, fast schon schmerzlich, immer klarer.

Auch hier in dieser, so betont fröhlichen, Schulcafeteria darf ich mir ein solches Exemplar von Nahem anschauen. Ein Logenplatz quasi.
Wenn er, wie durch ein Wunder, einmal die Klappe halten würde, könnte man meinen, dass er zu der Sorte „unscheinbarer Trottel“ gehöre. Lasst euch nicht täuschen! Sie brauchen nur ein (bevorzugt weibliches) Opfer finden und im Umkreis von 10 Metern wird jeder zum Opfer seiner „Harry-Potter -Geschichten- Alltags-Das-habe-ich-letztens-gelesen-Kommentare“

Es ist doch wirklich bemerkenswert, wie viel Energie diese Sorte Mensch in ihre Schallwellen (auch bekannt als Gelaber) investieren. Man wird unweigerlich in den Bann ihrer großartigen Alltagsgeschichten gezogen:

„Also, ich weiß noch, ich war 14! Da hab ich eine Karikatur gesehen. Das glaaaubt ihr mir nicht! Also..hörst du zu? Achso, also: Ich weiß noch, als ich 14 war! Da hab ich so´ne Karikatur gesehen, nä und du glaaaubst es nicht. Die haben da´n König gezeigt, nä. Also, nicht irgendein König. Der stand auf der Weltkugel. Verstehste? Wegen: König der Welt und so. Haha. Jedenfalls, stand der da so, also der König. Und der hatte´n Umhang um. Und ich haaaab mich aufgeregt ey. Ich haaaab mich aufgeregt. Da hing der Umhang vom König doch echt RUNTER! Irre, oder? Der hing runter! Mein Gott, der is im Weeeeeeltraaaaum! Wie blöd kann man denn sein, ey? Schon mit 14 hab ich das gleeeich erkannt! Voll unrealistisch, nä! Haahahahahaha. Sabrina, haste mitgekriegt? Ne? Achso, also ich weiß noch, da war ich 14, da hab ich eine Karikatur gesehen…..“

Es fällt mir schwer dieses Szenario zu beschreiben. Ich wurde noch 3 Mal Opfer dieses Geschwafels. Ich wollte mich bei Nr. 4 schon als Synchronsprecher anbieten, aber ich wollte ihm nicht seinen Lebensinhalt nehmen. Ich meine hey, sein Publikum liebt ihn sicher wegen seiner tausend anderen Qualitäten. (Ich rätsel bis heute, welche er noch besitzen könnte..)
Ich Primat bin sicher nur nicht dazu in der Lage diesen Anekdotenausfluss auf die rechte Weise zu folgen und die Pointe dahinter zu erkennen.

DIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN DAAAAAAAAAAAAAAAAAN DOOOOOOOOOOOOOOON DIN…

Freiheit!

Was man so alles in seinen Freistunden fabriziert….
Entschuldigt diesen unnötigen Beitrag, aber es gibt so Momente, da muss man sich einfach den Frust von der Seele schreiben. Einen Gruß an dieser Stelle an den Schwätzer. Ohne dich… hätte ich jetzt einigermaßen ausgeruht in den Biounterricht gehen können.

besinnliche Feiertage 😉

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2 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. kelebek
    Dez 22, 2009 @ 17:29:30

    Danke, hab mich amüsiert! Die story mit der Karrikatur ist der Knüller! Ein kleines Genie, hahaha… sehr gut – da bekommt man so richtig wieder Schulfeeling; ändert sich halt nix… Aber bist ja bald durch und dann richtig frei! Ähem…

    Antwort

  2. hijabi's voice
    Mrz 28, 2012 @ 15:36:24

    aaaah, du schreibst mir von der Seele! 😀 ♥

    Antwort

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