Aufschieberitis

by Hidjabi

Dreifach kommt die Zeit:
Zögernd kommt die Zukunft hergezogen,
pfeilschnell ist das Jetzt entflogen,
ewig still steht die Vergangenheit.

(Friedrich von Schiller)

 

Es geht wieder einmal zu Ende. Ein weiteres Jahr gehört der Vergangenheit an. Wo man die letzten Tage der hiesigen Kalender schon an den Fingern abzählen kann, steht das neue Jahr nach islamischer Zeitrechnung bereits. Einem Neuanfang würde nichts im Wege stehen, oder?

Wie seltsam, dass man erst ins Grübeln kommt, wenn man von anderen auf sie aufmerksam gemacht wird. Wie unbedeutend sie uns geworden ist.       

Die Zeit 

Wir ignorieren und verleugnen, wie sie uns geprägt hat. Wir wünschen sie uns weg und verdrehen sie. Ja, wir schimpfen sogar auf sie. Womit hat sie das nur verdient?

Die Zeit ist unser ständiger Begleiter. Sie erzieht uns, macht uns geduldiger. Wenn Gott will, kann sie uns sogar die Früchte unserer Arbeit zeigen.

Sie kennt die Wahrheit und reicht der Zukunft die Hände. Aber inwieweit nehmen wir sie eigentlich wahr? Was tun wir dafür, damit wir sie nicht als Feind, mit dem man wetteifert, sondern einen Freund ansieht, der uns unterstützt. Den wir gern wahrnehmen. Dessen Gegenwart wir vielleicht sogar genießen können.

Wer kennt das nicht?

Eine Aufgabe wartet auf uns. Eine, mit der wir vielleicht sogar eine wichtige Verantwortung übernommen haben. Eine, die andere von unserer Arbeit abhängig macht. Wie wichtig ist sie uns? Macht es einen Unterschied, für uns, ob wir dabei gewissenhaft sind, oder nicht?

„Morgen, dann aber richtig!“

Ein klassischer Gedanke, wenn es darum geht etwas zu tun. Man schiebt es vor sich her. Man findet Ausreden. Wichtigeres zu tun. Und Müdigkeit, die einen immer genau dann zu übermannen scheint, wenn unser lieber Freund, die Zeit, uns den Freiraum lassen möchte.

Wir verplempern ihre ständige Präsenz lieber mit Unwichtigem. Würden wir nicht dazu gezwungen werden sie mit Sinnvollem zu nutzen, würden wir sie weites gehend ignorieren. Erst später, wenn wir aus dem zeitlosen Rausch von Ablenkung  aufwachen wird uns klar, dass unser alter Begleiter durch einen Neuen ersetzt wurde. Wieso ist dieser nur so hart zu mir? So gnadenlos. Wieso überrollt diese neue Zeit mich so?

In diesen Momenten wird es uns dann bitterlich klar:

Wir haben sie zerstört. Die Zeit, die uns so viel bieten wollte. So viel freudvolle Momente und Gelegenheiten geben wollte. Wir haben sie von uns geschmettert und ihre Hilferufe übertönt. Sie wollte uns auf diesen neuen, weniger freundlichen, Begleiter, die neue Zeit, vorbereiten. Sie hat es uns zugerufen:

 „Packe sie! Nimm diese Gelegenheit wahr! Es wird bald zu spät sein! Ich werde weggehen und du wirst mir nachtrauern. Mir wird eine Zeit folgen, die viel schneller, viel gnadenloser sein wird, als ich es bin! So höre doch! Wenn du mein Jetzt nicht nutzt, werde ich eine bittere Erinnerung bei dir hinterlassen. Die Geschichte wird geschrieben. Jede Minute, die du mich nicht nutzt. Ich kann nicht wiederkommen. Man kann mich dir nicht wiedergeben.“

Aber wir wollen sie nicht hören. Wir verfluchen sie lieber. Wir rätseln, wie wir sie wohl hätten nutzen können. „Hätte, dann wäre.“ Man wird immer Schuldige finden. Aber es wird zu spät sein. Die Vergangenheit bestimmt die Zukunft. Aber es ist u spät, um die Geschichte zu ändern. Sie ist niedergeschrieben. Ihre Blätter werden uns eines Tages begegnen. Sie werden als Beweis über uns entscheiden. Manche dieser Kapitel werden bitter sein, aber es ist uns überlassen wie viele Kapitel des Schmerzes und der Trauer wir wirklich schreiben wollen.

Für was soll die Zeit eines Tages Zeuge sein? Behandeln wir sie gut, wie es unser Schöpfer vorgesehen hat, wird sie für uns strahlen. Den Weg in die Zukunft erleichtern und ebnen. Behandeln wir sie schlecht, wird sie nur ihre Pflicht erfüllen und mit traurigen Augen zusehen, wie sie uns unweigerlich zerstören muss.

Nehmt sie an die Hand! Schreibt mit dem Jetzt ein neues Kapitel. Ein Kapitel, das voller Freude und Licht sein wird, sodass es alle dunklen Kapitel der Vergangenheit überrollt.

Lasst uns diese neuen Kapitel überwiegen lassen und die Wichtigkeit der Zeit nie wieder vernachlässigen!

Wir wissen nicht, wie lange sie noch bei uns sein wird.

Advertisements

3 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. kelebek
    Dez 22, 2009 @ 17:39:21

    Wooooow! Masha Allah! Respekt! In deinem Alter schon so weise und große Worte – bin gerad super stolz auf meine kleine Schwester ^^ – weiter so, aus dir wird noch mal ne gaaaaaanz Große! Muahhh

    Antwort

  2. momty
    Dez 25, 2009 @ 18:10:27

    Ein wunderbarer, ja weiser Artikel……ausdrucken, aufhängen (in Sichthöhe!) und täglich durchlesen. 😉
    Dann klappt es mit der Umsetzung, insha-Allah

    Antwort

  3. Hanifa
    Okt 05, 2010 @ 18:56:54

    subhanallah, wie wahr!

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: