Engstirnigkeit

Eben durfte ich über meine Facebookfreunde wieder eine interessante Entdeckung machen, die mich doch wirklich aus meiner Schreibträgheit geworfen hat (danke!).


Vor gut einer Woche besuchte ich in Wuppertal, während des Zahnräder-Treffs, ein sogenanntes „Bloggertreffen“. Im Grunde durch Zufall. Und eigentlich auch nur, weil mich Kübra mit ihren mysteriösen Worten dorthin gelockt hatte. „Sei um 22:30 am Haupteingang.“, flüsterte sie. „Was machen wir denn um 22:30?“ Sie: „Cool sein“- Ich weiß ja nicht, wie´s mit euch steht, aber ich für meinen Teil konnte gar nicht anders, als zu erfahren, wie diese Coolnees denn in die Tat umgesetzt werden sollte. Es lebe die Neugier!

Das Treffen war spitze! Schon lustig, wenn man bei einigen Blogs endlich mal die Gesichter vor Augen hat. Besonders froh war ich endlich den netten Betreiber von TOO MUCH COOKIES NETWORK kennen lernen zu dürfen! (An dieser Stelle einen kleinen Gruß! Ich bin ein Fan!)

Dann tapselte auch Kübra mit zwei sehr sympathischen Menschen durch die Tür. Einer der beiden kramte ein Mikro aus seiner Tasche.  Oh, Oh. Interview. Nur nicht auffallen, sonst wird´s auch dir vor die Nase gehalten. – NEIN, es liegt nicht daran, dass ich meine Stimme als muslimische Frau nicht erheben darf. Ich kann nun mal nicht gut auf Kommando reden! Nach kurzer Zeit pickten die beiden 3 Leute aus der Runde. Und dreimal dürft ihr Raten, wer das Ding dann doch vor die Nase bekommen hat…

Eben habe ich den Beitrag gehört (findet ihr´s auch so komisch euch digital zu hören?!) und bin fasziniert, wie ich wohl von anderen wahrgenommen werde. So etwa der Kontext: „Die fromme Muslimin parodiert die Engstirnigkeit der deutschen Gesellschaft.“ – Ich habe den Beitrag immer und immer wieder abgespielt. Vor allem meinen Part. Ich habe es mir mit den „Ohren eines Außenstehenden“ angehört und mich gefragt, wie ein Mensch, der Muslime nur aus den Medien kennt, diesen Beitrag wohl finden würde. Und, lasst mich meine Erkenntnis dazu einmal mit folgendem Vergleich beschreiben:

Ihr geht zum Italiener mit dem Vorsatz heute ein Eis zu probieren, von dessen Sorte ihr bisher nur gehört habt. Ihr bestellt es. Und während der Eismann das Eis servierfertig macht, gibt er so ganz nebenbei folgenden Satz von sich: „….Das Eis ist an sich ganz ok, solange Sie die Bitterstoffe nicht herausschmecken.“ –  Bei jeder Berührung mit dem Eis, werdet ihr nach den Bitterstoffen suchen. Darauf achten, ob euch etwas an der Sorte missfällt. Ihr wisst, worauf ich hinaus will? Gut.

Folgender Kommentar ist also das Resultat dieses Effekts:

Kopftuchträgerinnen parodieren die Engstirnigkeit der deutschen Gesellschaft

Aus zahllosen Begegnungen und Gesprächen habe ich den Eindruck mitnehmen müssen, dass Kopftuchträgerinnen oft ihre kopftuchlosen Geschlechtsgenossinnen verachten. Moralisch. Soll die engstirnige deutsche Gesellschaft (was für eine Verallgemeinerung!) nun also kopftuchtragend herumlaufen weil ja nicht engstirnig sein wollend? Was für eine Verdrehung von Freiheit, Individualität und Vielfalt.

Lieber Kommentator,

mir ist bewusst, dass es auf der Welt einige Schwachmaten gibt. Mit vielen habe ich zwangsläufig täglich zu tun. Dementsprechend wundert es mich nicht, dass Du hin und wieder in ein Gespräch mit Leuten gezogen wurdest, das Dir zwangsläufig so ein (dermaßen beklopptes) Bild der Muslime bildete. Nämlich, dass jede Frau, die sich bewusst für das Kopftuch entscheidet gleich die Meinung vertritt über jenen Frauen zu stehen, die es nicht tragen. Und wie Du es im nächsten Satz so schön in Klammern gesetzt hast (sollte meiner Meinung nach fett gedruckt werden): „WAS FÜR EINE VERALLGEMEINERUNG!“ – Ich werde mich nicht wieder für die gesamte Migrantencommunity in Deutschland für etwas rechtfertigen, das Dir fälschlicherweise von (offenbar sehr arroganten) Einzelpersonen vermittelt wurde. Aber da ja leider mein Beitrag Dich zu so einem Kommentar bewogen hat, möchte ich dazu doch ein paar Worte loswerden, wenn Du erlaubst.

Ich würde mir nie anmaßen mit meinem Blog eine ganze Gesellschaft anzuklagen. Wieso sollte ich auch? Ich selbst bin ein klarer Gegner des Pauschalisierens! Ich selbst möchte in keine Schublade gesteckt werden, noch möchte ich für etwas kritisiert werden, hinter dem ich persönlich gar nicht stehe! Leider wurde es in diesem Beitrag so ausgelegt, dass ich die gesamte deutsche Gesellschaft für zu blöd halte mich wie einen Menschen zu behandeln. Das ist nicht wahr. Mein Blog und meine Worte darin sind an jene gerichtet, die bis heute nicht verstanden haben, dass wir Menschen mit verschiedenen Persönlichkeiten und Träumen sind. Die nicht verstanden haben, dass uns nur unsere Moralvorstellungen, nicht aber unsere menschlichen Empfindungen und Wünsche trennen. Klar, hört man sich den Beitrag an, könnte man denken: Die fromme Muslimin macht sich über die deutsche Gesellschaft lustig. – Das wäre dumm. Und würde ich wirklich so einen Hass auf die deutsche Gesellschaft haben, würde ich diesen Beitrag jetzt aus Ägypten und nicht aus Niedersachsen schreiben. Ich bin, offenbar genauso wie du, ein Gegner von Engstirnigkeit, denn dies ist doch überhaupt der Grund, weshalb ich den Blog gestartet habe. Würde nämlich jeder einfach bei sich selbst schauen und mit dem zufrieden sein, was er hat und wie er lebt, dann würde es in unserem schönen Deutschland nicht zu solchen (unnötigen) Auseinandersetzungen kommen. Ich verurteile niemanden, außer mich selbst. Ich erhoffe mir lediglich den Menschen mit meinen Beiträgen  hin und wieder die Augen für ein Verhalten zu öffnen, dem manche vielleicht auch unbewusst verfallen sind, nämlich eben dieser Engstirnigkeit.

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9 Kommentare (+deinen hinzufügen?)

  1. kübra
    Okt 06, 2010 @ 09:07:53

    Liebe diesen Text! Vor allem die Beschreibung des geheimnisvollen Anbahnens. 🙂

    Antwort

  2. Omar
    Okt 07, 2010 @ 14:37:58

    Also, mich als „netten Betreiber“ zu beschreiben, das ist ja die Höhe! Für die meisten bin ich ja doch eher der unnette Betreiber.

    Nein, ehrlich danke für den Gruß. Ich fand den Beitrag ganz gut und deinen Part auch selbstbewusst – halt so wie dein Blog. Ich fand es auch gut, dass die Autoren aus deinem Blog vorlesen. Nicht nur, weil der vorgelesene Beitrag lustig ist und so gelesen wurde, sondern auch, weil natürlich ein Blogger zunächst einmal über sein Blog sich ausdrückt und sich dies in einem Interview gerne wiederfinden sollte, finde ich.

    Antwort

  3. Sabriya
    Okt 19, 2010 @ 14:14:17

    Salam,
    schöner Blog, vielen Dank und Allahs Segen Dir und Euch, von einer mit dem „falschen“ (weil nach hinten gebundenen, nicht unterm Kinn verzurrten) Kopftuch :-), die auch noch Fahrrad fährt – mit Kopftuch! Unmöglich! :-))

    Antwort

  4. tmx
    Okt 27, 2010 @ 20:45:28

    Man hatte ja die Hoffnung, dass dieser ganze religiöse Quatsch irgendwann ein Ende findet, man war ja in Deutschland auf einem ganz guten Weg.

    Leider gibt es ja vermehrt Leute wie Sie, die ja sogar religiöse Kleidervorschriften beachten und somit ganz offenbar einen Hau weg haben. Sie genießen augenscheinlich die Freizügigkeit, die Deutschland Ihnen bietet. Schauen wir uns in der Welt um, ist mit dieser Freizügigkeit aber überall dort vorbei, wo Religiöse wie Sie die Oberhand gewinnen. Oder wie Sie schreiben, Ihre „Moralvorstellungen“ sich durchsetzen.

    Von daher: Nehmen Sie doch bitte Ihr Kopftuch und bloggen tatsächlich aus Ägypten. Und nehmen Sie die bigotten Evangelikalen mit. Im Gegenzug schicken Sie gerne ein paar Säkulare Menschen rüber…

    Sobald Sie „rübergemacht“ haben, werden wir vielleicht auch endlich von diesem unerträglichen „christlich-jüdische Werte“ Gewäsch verschont…

    Antwort

    • Hidjabi
      Okt 28, 2010 @ 19:00:42

      Lieber Herr oder Frau Unbekannt,
      ich bin fasziniert. Nein, wirklich. Menschen „wie mir“ wird so oft vorgeworfen, wir seien realitätsfern, oder gar unintegrierbar, weil wir denken, wie wir denken. Nun kommen Sie daher und öffnen mir die Augen dafür, dass es auf unserer schönen Mutter Erde doch noch Menschen gibt, die einen weitaus größeren „Hau weg“ haben, als meiner einer. Menschen, die bis heute nicht damit zurecht zu kommen scheinen, dass die Globalisierung Einzug genommen hat. Menschen, die so ein offen gestörtes Verhältnis zu Religionen haben, dass sie meinen es gebe keine andere Lösung, als diese gänzlich aus dem Land zu verbannen. Bravo. Ich möchte gar nicht wissen, was mit der Welt passiert, wenn Menschen wie diese die Oberhand in Deutschland gewinnen. Nein, wartet. Das wissen wir ja bereits. Einfach im Lexikon ab dem Jahr 1933 nachschlagen.
      Im Übrigen sollte die Definition Ihrer erwähnten „Freizügigkeit“ vielleicht noch einmal überprüft werden…

      Danke und viel Spaß beim nächsten Türkeiurlaub.

      Antwort

  5. tmx
    Okt 28, 2010 @ 21:34:50

    Ah, Godwin’s law, wie überaschend.

    In der Tat, man muss totalitären Ideologien entschieden entgegen treten. Und nachdem Kommunismus und Faschismus glücklicherweise keine Rolle mehr spielen, dem Katholizismus in den meisten Teilen der Welt der Zahn gezogen wurde, steht noch der Islam als große menschheitsunterdrückende Ideologie aus.

    Leider ist er ja scheinbar unreformierbar. Also bleibt uns nichts anderes, als seine zersetzenden Einflüsse in Deutschland möglichst zu begrenzen. (So wie mit den christliche Kirchen erfolgt. Das geschah nicht grundlos, sondern hat unsere Gesellschaft nach vorne gebracht. Z.B. gab es früher den Wahnwitz, dass man als Katholik keinen Protestanten heiratet und umgekehrt, gar nicht so lange her. Aber pardon, Sie haben da ja Verständnis, Sie würden ja auch keinen „Ungläubigen“ heiraten).

    Sonst landen wir ebenfalls auf einem so zivilisatorisch niedrigen Niveau, wie größtenteils in der islamischen Welt anzutreffen. Dem die Einwanderer aus eben diesen Regionen ja entfliehen wollten. Das schöne Wetter wird ja keinen hergeführt haben…

    Antwort

  6. Omar
    Okt 28, 2010 @ 21:43:23

    @tmx: Solange nicht „muslimische Länder“ als erweiterte Kolonialherren auftreten und eine korrupte Regierung in Deutschland gegen den Willen der Bevölkerung am Leben halten, so lange wird es wohl nicht so schlimm sein, wie in besagten Ländern, die allesamt vor allem darunter leiden, dass ihre Regierungen nach der Pfeife alter Kolonialisten und neuer Postkolonialisten tanzen.

    Es gehört zum Imperialismus dazu, dass man glaubt, man hätte es nur deshalb besser, weil man sich angestrengt hat. „Oh, was ist euer Land so schrecklich zerbombt? Konntet ihr noch nicht einmal aufräumen?“ Fragt sodann der Bomberflieger nach getaner Arbeit…

    Antwort

  7. tmx
    Okt 28, 2010 @ 22:02:54

    @ Omar

    Man würde sowohl der BRD als auch den USA und einigen anderen westlichen Ländern eine neue Regierung wünschen. Ebenso hätte man sich gewünscht, dass sich Obamas Ankündigung eines neuen Dialoges nicht als bloße Phrase entpuppt.

    Allerdings können westliche Regierungen, im Gegensatz zu den Regierungen des großen Teils der muslimischen Länder, ja quasi als Hort des Guten betrachtet werden. Denn dort findet sich ein wilder Mix aus Theokratie, Diktatur, Monarchie und schlicht „failed states“.

    Eine Betrachtung, inwieweit dies der Religion geschuldet ist – ebenso wie der nun seit Jahrhunderten andauernde Abstieg besagter Länder in allen relevanten Bereichen – wäre sicher ergiebig.

    Antwort

  8. name (erforderlich)
    Jan 20, 2012 @ 18:27:13

    Der vorwurf ist btw einer der auch aussm stürmer.^^
    es ist zynisch und bitter, dass sich diese kackvorwürfe immer und immerwieder wiederholen.

    Antwort

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