Schicksal

Eigentlich sieht sich jeder von uns hin und wieder mit Situationen konfrontiert, die jedes bisschen Aufmerksamkeit, jedes Stück Konzentration in uns abverlangen.

Es gibt Situationen in unserem Leben, die wir so nie haben kommen sehen, weil unser Wunschdenken vom Leben es nicht zugelassen hätte. Das muss nicht heißen, dass man als hoffnungsloser Optimist durch die Welt geht. Es muss auch nicht heißen, dass man zu naiv ist, um die Realität zu verkraften und sich in eine Traumwelt begibt. Es heißt lediglich, dass die Hoffnung auf gute Zeiten überwiegt. Es ist die Hoffnung zu glauben, dass das Leben etwas Schönes für einen bereithält. Man malt sich aus, wie man zurückblickt und sich sagt: „Ja, ich habe gehofft, dass es eines Tages so sein wird.“

Dennoch, der gesunde Menschenverstand lässt einen nicht so ohne weiteres mit eben dieser Einstellung durchs Leben gehen. Und das ist gut. Es ist deshalb gut, weil es sonst  unser Urteilsvermögen komplett lähmen würde. Wir wären nicht mehr im Stande Gefahr einzuschätzen, oder Vorsorge zu treffen, damit wir uns dieser Gefahr nicht aussetzen. Letzten Endes ist es eine Sache des Schicksals, ob uns etwas Schlechtes treffen soll. Diese Sache mit dem Schicksal ist oft sehr verwirrend, weil man irgendwann einfach nicht mehr genau sagen kann, wann man sich dem Schicksal übergeben soll und wann das Schicksal unser Handeln fordert, um es zu etwas Gutem zu machen.

Abu Da'ud und At-Tirmidhi überliefern von Al-Mughira, der sagte: 
ich hörte Anas Ibn Malik sagen: ein Mann kam zum Gesandten und sprach:
"Oh Gesandter Allahs, soll ich es (mein Kamel) anbinden und vertrauen
oder nicht anbinden und vertrauen?"

Der Gesandte antwortete: Binde es an und vertraue (auf Allah)!

 

Letzten Endes bestimmt Gott allein unser Schicksal, doch Er, der Erhabene, fordert auch von uns Handeln. Handeln, das in Seinem Sinne ist. Nicht ohne Grund wird das Leben als Prüfung bezeichnet. Die Prüfung besteht darin sich auch in schwer überschaubaren Situationen auf die Leitung seines Schöpfers zu verlassen. Ohne dieses Vertrauen ist man verloren, wenn es im Leben mal wieder hart auf hart kommt. Wie oft steht man da und fragt sich: Warum? Wieso passiert das jetzt mit mir?

Gott allein weiß, warum etwas mit uns passiert. Was wir uns eher fragen sollten ist: Ist diese Sache eine Prüfung, um meine Geduld zu prüfen, oder die Konsequenz aus meinem falschen Handeln?

Die Linie zwischen diesen Dingen kann manchmal so hauchdünn sein, so schwer zu erblicken. Manchmal fühlt es sich an, als sei man in einer Situation gefangen, die man sich selbst geschaffen hat. Man gibt sich die Schuld für alles und würde sich am liebsten vergraben. Man fragt sich, wie man hätte anders handeln können. Vorwurf und Trübsal sind ständige Begleiter. Wer nimmt in solchen Situationen schon die Reue an, wenn nicht jemand, der über all diesen Dingen erhaben ist? Wie kann ein anderer Mensch schon verstehen, was in dem eigenen Kopf vorgeht? Wie kann er Verständnis aufbringen für etwas, das er selbst nicht fühlt und sieht?

Die Missgunst für fremdes Denken ist leicht, man muss sich lediglich die Dinge aus Verhalten und Sätzen herausfischen, die die eigene Thesen unterstützen. Auch Verurteilen fällt nicht schwer. Es ist sogar leichter, als sich die Mühe zu geben genug Empathie aufzubringen, um in den Schuhen des anderen zu laufen. Und wenn es nur für einen Tag ist. Die Welt einmal aus seiner Sicht zu sehen.

Der Mensch ist ein Individuum und jeder hat sein eigenes Schicksal.

Wir kennen es nicht.

Gott allein kennt es.

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